Opel – Ist das die richtige Lösung?

18.November.2008 in Aktuell | Kommentare (1)

Bereits seit 1929 ist Opel die Tochter des amerikanischen Konzern General Motors. In den letzten Jahren mussten die Rüsselsheimer aber arg unter den Verlusten des Mutterkonzerns leiden, obwohl man aber strategisch gut aufgestellt war / ist. Und nun sieht es wirklich gefährlich aus: auch wenn GM dies dementiert, droht dem Konzern nach Meinung eines führenden Analysten bis Ende Dezember die Insolvenz.

Was bedeutet das für Opel? Neben der Katastrophe für die US-Wirtschaft und 2,5 Millionen gefährdeten Jobs in den Vereinigten Staaten würde auch Opel von GM mit in den Abgrund gerissen werden. Denn GM hat Milliardenhohe Schulden bei seiner Tochter in Form von Schuldversprechen beispielsweise für Entwicklungsleistungen. Das Geld wäre dann verloren. Doch auch GM hat schon nach Hilfe gefragt und will von der US-Regierung neben den bereits versprochen 25 Milliarden an Krediten auch noch weitere 25 Milliarden an Hilfe erhalten (zusammen mit Chrysler und Ford). Dafür müsste GM aber Arbeitsplätze sichern und Entwicklungsarbeiten in die Zentren Warren und Pontiac verlegen. Aufträge, die dem europäischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim entzogen werden würden.
Die vier Bundesländer in denen Opel-Fabriken stehen und der Bund haben nun eine Auffanglösung entwickelt. Nach dem Plan sollen die vier Länder und der Bund die Bürgschaft für einen Milliardenkredit übernehmen, welcher zweckgebunden an die Entwicklung neuer Modelle sein soll, damit das Geld nicht in Detroit versickert. General Motors Europe soll mit dem Geld sein Investitionsprogramm bis 2012 sicherstellen können. Rund 20 neue Modelle sollen damit entwickelt werden.

Manager von Opel sind aber davon überzeugt, dass das Unternehmen nur dann nicht mit in den Abgrund gerissen wird, wenn sich GM-Europe aus dem Mutterkonzern herauslöst. Auch ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell ist im Gespräch. Nach diesem sollen Mitarbeiter für Lohnverzicht oder unbezahlte Mehrarbeit Unternehmensanteile erhalten können. Ein solches Modell wäre keinesfalls chancenlos. Jedenfalls hätte GM-Europe bessere Überlebenschancen, wenn der Mutterkonzern das Unternehmen in die Selbstständigkeit entließe.

Das staatliche Rettungspaket ist ebenfalls geschnürt. Jedoch will die Regierung noch bis Weihnachten prüfen und danach entscheiden. Das zeigt aber, worum es der Kanzlerin eigentlich geht. Die Bürgschaft ist ein Geschenk für den Gabentisch der Opel-Mitarbeiter. Doch gibt es einige Probleme: Zum einem ist eine direkte Subvention nicht möglich, da die Regierung sofort die EU-Kommission am Hals hätte. Auch die Eigentümerstruktur kommt erschwerend hinzu und Merkel betonte, dass kein Cent in den General Motors-Kassen landen dürfte. Auch wenn es vielleicht nicht wahrscheinlich ist, könnte GM bis dahin schon zahlungsunfähig sein und das US-Insolvenzrecht (Kapitel elf: Schutz vor Gläubigern) ist mit dem deutschen Recht nicht vergleichbar, was dann aus Opel würde, ist offen.

Es gab bereits ein ähnliches Rettungspaket 1999 für das Bauunternehmen Holzmann. Gerhard Schröder hatte unter Jubelrufen Bürgschaften und Kredite über 250 Millionen D-Mark bereitgestellt. Und was ist passiert? Das Unternehmen ist letzten Endes doch untergegangen. Da stellt sich die Frage, ist das wirklich der richtige Weg ein Unternehmen zu retten? Was ist, wenn ein Präzedenzfall geschaffen wird für andere Branchen, die wegen der Finanzkrise ihre Produkte auch nicht mehr an den Mann bringen? Denen müsste die Regierung dann auch helfen! Ich glaube nicht, dass so die Wirtschaft künstliche lange am Leben gehalten werden kann und die Nachwirkungen wären wahrscheinlich noch verheerender.

Die Bundeskanzlerin hat Opel nun mit versprochenen Bürgschaften den Rücken gestärkt. Auch wenn diese an Bedingungen geknüpft werden sollen, sehe ich solche "Geschenke" (vor allem in Anbetracht der Wahl im nächsten Jahr) eher skeptisch.

Mal generell gefragt: Sollte die Regierung ins Straucheln geratene Konzerne unterstützen?



One Response to “Opel – Ist das die richtige Lösung?”

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  1. Comment by Robert20.November.2008 um 03:45   Reply

    Hallo Schlens! Danke für deinen Kommentar. Wie ich das in meinem Beitrag schon angedeutet habe, sehe ich Staatshilfen ebenso bedenklich wie du. Zum einen sind diese “Geschenke” meist Wahlkampftaktiken und zum anderen wird in meinen Augen das “günstige Geld” nicht sinnvoll investiert. Holzmann wäre da das richtige Beispiel, wie du schon erwähntest. Im Fall von Opel befürchtet man, dass das Geld dann irgend wo bei GM in Detroit versickert ohne Opel wirklich zu helfen!

    Übrigens: GM-Chef Carl Peter Foster hat sich auch nochmal zu Wort gemeldet: http://drivingconversations.gmblogs.com/

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